Ausflugtipps

auch noch Welt

eine vergessene Welt

Eine vergessene Welt inmitten des Taunus. Rhein, Mosel, Lahn und Main halten die Touristenströme vom Taunus fern. Mag sich ein Tourist dennoch in den Taunus verirren so nutzt er Bäderstraße (B260) und Hühnerstraße (B417) und gelangt so in wunderbare Regionen. Manch einer mag auch schon über die Aarstraße (B54) von Wiesbaden in Richtung Diez und Limburg begeben haben. Er durchfährt dann im Transit ein Abschnitt des Taunus, welcher abseits dieser Route eine vergessene Welt in dessen Zentrum Hohenstein [Nass.] liegt.

Schafherd oberhalb von Steckenroth Streuobstwiese bei Steckenroth

Man merkt der Landschaft ihre Vergessenheit förmlich an. Zu weitläufig präsentiert sich der Taunus hier. Wer da glaub es sei übertrieben, so probiert es aus. Die Hügel schein Abgeschiedenheit auszustrahlen. So lade ich einfach ein zu einer Reise in eine fast vergessene Welt.

Beginnen wir im Bahnhof Hohenstein [Nass.]. 1986 sank der Stern der Aartalbahn. Waren es zuletzt Akkumulatorentriebwagen aus dem Bw Limburg die auf dem Streckenabschnitt Bad Schwalbach - Diez den Anschluß an das Weltgeschehen bot. Doch man braucht sie nicht mehr. Wegweiser in WatzhahnEs viel hier aber kaum jemand auf. Klar kann man sich an die Bahn erinnern. 'Die fährt doch nicht mehr', heißt es lapidar. Doch seit einigen Jahren verkehrt wieder ein Zug durch's Aartal. Es ist ein Museumszug von der Nassauschen Museumsbahn. Dampf und Diesel bis nach Hohenstein. Aber es scheint das dies den Touristen aus Wiesbaden vorbehalten ist. Man fährt hier her und nach einer kurzen Pause geht es wieder über die Eiserne Hand zurück in die Stadt. Begibt man sich an einem sonnigen Abend in den ehemaligen Bahnhof Hohenstein [Nass.] so kann man den Eindruck bekommen, dass der letzte Zug nach Diez gerade den Bahnhof verlassen hat. Hier hat sich nix verändert. Die Bank vor dem Empfangsgebäude, der F-Kasten und im Warteraum die damals üblichen Bekundungen. 'Ich war da. Ich liebe Silke. 15.12.1985. - Eine Zeitreise in die Abendsonne. Der Blick zur Burg wird wie einst von zahlreichen Lampenvariationen und Telegraphenleitungen gesäumt. Ein Fc Wagen steht im Hintergrund und wartet auf seinen nächsten Einsatz. Am Empfangsgebäude eine BMW R 35 mit dem Baujahr 1940. Der Fahrdienstleiter? - Ne der Autor, ach wir schreiben ja das Jahr 2003. Dann setzen wir uns mal vor das Empfangsgebäude und genießen die Abendsonne.

Ausflugsziele

Bahnhof Hohenstein [Nass] mit Burg im HntergrundWährend unserer Einstimmung auf dieses Stückchen Welt fällt der Blick auf die Burg Hohenstein. Sie liegt hoch über dem Bahnhof und ist zugleich Mittelpunkt für den gleichnamigen Ort. Verlassen wir also das Bahnhofsgelände über das Unterdorf und fahren direkt rechts über die Bahnstrecke und erklimmen die 20% zur Burg. Entlohnt für die Anstrengung werden wir durch einen herrlichen Blick über das Unterdorf, den Bahnhof, das Aartal und den Taunus. Ein Blick in die Welt in welche wir uns gerade eingestimmt haben.

Wir biegen nach links und haben die Burg erreicht. Von hier haben wir einen herrlichen Blick über das Aartal. Zu Fuß liegt der Ausgangspunkt unseres Ausflugs, der Bahnhof Hohenstein und das zugehörige Unterdorf. Die Hanglagen wurden vor Jahren als Regenerationsflächen für die ICE Strecke Köln - Frankfurt ausgewiesen. Mit diesem Schachzug wurde die Gemeinde Hohenstein über Nacht schuldfrei. Keine schlechte Lösung für die schwer zugänglichen Hänge.

Die Burg Hohenstein wurde 1190 von den Grafen von Katzenelnbogen sowie den Grafen von Nassau-Laurenburg erbaut und 1422 von Johann III. erweitert und ausgeschmückt. Nach dem Tod des Grafen Philipps des Älteren (1479) fiel die Burg an Hessen. 1604 veranlaßte Moritz der Gelehrte die Ausbesserung der mittlerweile schadhaft gewordenen Burg und ließ deren Befestigung verstärken. Dennoch wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Nach Kriegsende übernahm Landgraf Ernst den "erfolglosen" Versuch der Wiederherstellung. Der Verfall war nicht abzuwenden. Augen auf rechts und links der Aar, die Vergangenheit ist manchmal noch gegenwärtig (Adorfeck anno 2003)Als "große Ruine" fiel die einst mächtige Burg 1815 an Nassau, 1866 an Preußen und ging 1949 auf das Land Hessen über. Beim Blick über die Höhen laßt sich noch heute erahnen, was die Grafen von Katzenellenbogen einst bewogen hat sich hier an dieser engen Talstelle eine Feste zu errichten.

Nach dieser Weile wählen wir den den Weg über das Oberdorf und gelangen wieder ins Aartal. An Adolfseck vorbei passieren wir den Bahnhof Bad Schwalbach und nehmen nun die nächste Möglichkeit in Richtung Born. Schon kurz nach Verlassen des Born: Blick von der Obergasse auf die KircheTals haben wir die vergessene Welt erreicht. Die raue Seite des Taunus zeigt sich. Rechter Hand liegt der Taunuskamm Richtung Wiesbaden. Der Blick fällt auf die Hohe Wurzel. Fast auf der Höhe kommen wir nach Born. Wanderfreunden eröffnet sich hier ein Wanderelderado. Beginnend am Steckenrother Weg kann in Richtung Steckenroth wandern. Des Weiteren gelangt man von hier in Richtung Watzhahn auf die Eisen Straße. Diese wurde einst als Transportweg für Eisenerze genutzt und folgt dem Hohkamm bis nach Michelbach, welches 15km aarabwärts liegt. Dabei verläuft sie ohne bemerkenswerte Steigungen und meidet sämtliche Ortschaften. So bietet sie sich auch gut als Radweg. Betrachtet man die Eisen Straße als die inoffizielle Verlängerung des Radwanderweges R36 (Diez - Kettenbach) so endet dieser hier bei den ~800 "Borner (Apfel-) Krotze". Als weitere Empfehlung gilt der Aarhöhenweg, der von hier gut zu erreichen ist. Für welchen Weg man sich auch entscheiden mag es besteht steets die Pflicht die Augen in Sachen Limes offen zu halten. An den Straßen ist der Limes mit zwei Pfählen markiert. Etwas abseits kann man stellenweise nachbauten alter Wachtürme erkunden und mit etwas Glück im Wald noch alte Wallformationen ausfindig machen. - In jedem Fall erwartet einen unbeschwerte Natur ohne Autolärm.

Kirche SteckenrothPfarrhaus Strinz-MaragerthäMit welchem Verkehrsmittel auch immer sind wir nun nach Steckenroth gekommen. Eine kleine Stärkung gibt es in der Bäckerei Betz in der Kirchgasse 10. Von hier geht es nun direkt nach Strinz-Magarethä. Dabei kreuzen wir die angesprochene Eisenstraße und erreichen die Hauptstraße unterhalb des Pfarrhauses. Dabei sollte man gerade in der Pfalzstraße die Augen auf halten und sein Foto für Schnappschüsse bereit halten.

Über Breithardt und weiter in Richtung Holzhausen über Aar passeieren wir wieder eine Kuppe. Von hier eröffnet sich erneut ein herrlicher Blick über unser kleines Stückchen Welt. Burg Hohenstein und bis rüber in den Freistaat Flaschenhals und das Einricht.

Folgen wir der Straße so lassen wir die Taunushöhen hinter uns und gelangen wir zurück ins Aartal nach Michelbach. Am Ortseingang sehen wir linker Hand das Waldschwimmbad Michelbach liegen. Sicherlich der Geheimtipp an heißen Sommertagen, wenn man in anderen Bädern im Rhein-Main Gebiet nur noch Stehplätze im Becken und auf der Liegewiese angeboten bekommt.

Hier öffnet sich nun das Aartal und ab Kettenbach ist der Radwanderweg R36 zu empfehlen. Der Einstieg ist hier am Passavantwerk. Bis Diez begleitet der Weg die Aar und parallel verlaufende Aartalbahn. Zwischen Schiesheim und Zollhaus liegt direkt am Radwanderweg die Römerquelle. 1583 erbaut kann man dank der 1998 durchgeführten Restaurierung durch die Interessengemeinschaft Zollhaus dort heute rasten und das Wasser kosten. Das eisenhaltige Wasser schmeckt am Besten direkt von der Quelle in die Hand. Früher gab es in Zollhaus einen Abfüllbetrieb, der das Wasser unter der Marke ”Johannis” (The King of natural tablewater) zuerst in Steinkrügen, später in Flaschen (jährlich 2,5 Millionen) vorwiegend nach Übersee verschickte. Der Betrieb unter englischer Leitung existierte von 1882 bis 1914. Möchte man sich das Wasser zum privaten Gebrauch abfüllen empfehle ich die klassische weiße GDB Glas Mehrwegflasche im braunen Kasten. Diese gut verschlißen und dunkel und kühl lagern. So erhält sich der charakteristische Geschmack am Besten und das Wasser flockt nicht zu stark aus.

Jetzt sind es nur noch wenige Meter zu unserem Endpunkt, dem Kremel in Zollhaus. Das Kulturhaus bietet zahlreiche Veranstaltungen. (Ein Blick in das aktuelle Programm lohnt.) Wem dies alles zu anstrengend ist sei der Milchcafe zu empfehlen.

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© by Schupp, Villmar